Chef auf der Insel

Wer an Sizilien denkt, der kommt am Koloss der Insel nicht vorbei. Der Ätna ist allgegenwärtig. Schon beim Landeanflug nach Catania geht meist ein Raunen durch die Sitzreihen. Der Blick in den Rachen des Feuer speienden Riesen vermittelt, welch explosive Kräfte im Inneren herrschen müssen.

Der Berg ist der wahre Herrscher Siziliens. Der mächtigste und aktivste Vulkan Europas zeigt immer Präsenz: Seine Rauchfahne ist kilometerweit zu sehen. Selbst von unserem Hotel aus, ist bei guter Sicht der Ätna zu sehen - obwohl Luftlinie über 100 km dazwischen liegen.

Je nach Sicht der Dinge hat der Vulkan viele Namen erhalten. Die einen nennen ihn wegen der ständigen Dampfwolke liebevoll "Pennecchietto", das Federbüschchen. Für die anderen ist er der Mongibello, der Berg der Berge. Für die meisten jedoch ist es schlicht die Grande Signora, die wie eine sizilianische Mama dafür sorgt, dass es allen gut geht. In der Tat ist der Ätna Chef auf der insel und die Attraktion schlechthin.

Gigantische Ausmaße

Gerade die Anreise mit dem Flugzeug und die daraus resultierende Vogelperspektive verdeutlicht die gewaltigen Ausmaße:

Der Ätna ist mit etwa 3.323 Meter über Meeresspiegel der höchste und altivste Vulkan Europas.

Der Durchmesser beträgt bis zu 42 Kilometer, etwa 200 Kilometer müssen zurückgelegt werden, wer einmal um das Bergmassiv herumfahren will.

Von Null auf 3.300 Meter Höhe in gerade mal 20 Kilometer, d.h. die direkte Linie vom Kraterrand in etwa 3.300 Meter Höhe mit hochalpinem Klima bis hin zu den suptropischen Temperaturen am Starnd von Giarre.

Und noch eine Superlative: Während im Februar auf dem Ätna beste Pistenverhältnisse zum Skifahren oder Snowboarden herrschen, ernten die Bauern am Fuße des Ätnas Orangen.

Vulkanismus

Vor etwa 600.000 Jahren begann im Altpleistozän der Vulkanismus im Bereich des heutigen Ätna, wobei sich die vulkanische Aktivität über einen Zeitraum von rund 300.000 Jahren erstreckt hat. Der Ätna ist ein sogenannter Schichtvulkan, d.h. der Vulkan hat sich über die Jahre aus abwechselnden Schichten von Lava und Lockermasse "aufgebaut". Man erkennt dies an der relativ steilen, spitzkegeligen Form. Dieses "Schichten" begann am Ätna erst vor etwa 100.000 Jahren. Die derzeitige noch zu sehende Form begann vor spätestens 3.000 Jahren.

Der Ätna hat vier Gipfelkrater: den Crateri Centrale (Hauptkrater), die Bocca Nuova (neuen Schlund, entstanden 1968), den Nordostkrater (entstanden 1911) und den Südostkrater (entstanden 1979). Charakteristisch für den Ätna sind seine mehr als 300 Flankenvulkane, die größtenteils in den letzten 3.000 Jahren entstanden sind. Auch heute entstehen bei größeren Eruptionen immer wieder neue Flankenvulkane. Typisch sind ebenso Eruptionen längs aufreißender Spalten. Nahezu alle historischen Ausbrüche waren an solche Eruptionsspalten gebunden. Die Länge dieser Splaten variiert von einigen hundert Metern bis zu mehreren Kilometern.

Wetter am Berg

Das Wetter am Ätna ist so stabil wie ein Wackelpudding. Seit über 10 Jahren bieten wir Radtouren am Ätna an und in dieser Zeit haben wir schon alles erlebt. Man darf sich nie in Sicherheit wiegen.

Der Vulkan steht vollkommen ungeschützt auf der Insel, von allen Seiten ist er windanfällig. Insgesamt gibt es 16 verschiedene Windrichtungen. Diese Winde können dafür sorgen, dass von einer Minute auf die andere das Wetter umschlägt. Wo gerade noch Eitel Sonnenschein war, herrscht nun dichter Nebel, Regen, Sturm, Hagel oder Schneefall (selbst in den Frühjahrsmonaten März, April oder Mai).

Deshalb werden alle Touren, die wir am Ätna machen, mit größter Sorgfalt vorbereitet und nur bei guter Wetterprogrnose auch durchgeführt.